Bus, Bahn & Straßen - Alles im Fluss?

Vorstandsmitglieder der Hochrheinkommission

(v. l.): Stephan Rawyler & Hans Rudolf Meier, Gemeindevertreter Schaffhausen; Christian Fricker, Fricktal Regio Planungsverband; Reto Dubach, Regierungsrat Kanton Schaffhausen; Martin Kistler, Landrat Kreis Waldshut; Bärbel Schäfer, Regierungspräsidentin Freiburg; Alexander Guhl, Bürgermeister Bad Säckingen; Klaus Eberhardt, Oberbürgermeister Rheinfelden; Marion Dammann, Landrätin Kreis Lörrach; Stephan Attiger, Regierungsrat Kanton Aargau; Franz Nebel, Planungsverband ZurzibietRegio.

Passend zur Örtlichkeit dominierten verschiedene Verkehrsthemen die Vorstandssitzung der Hochrheinkommission. Im alten Stellwerk in Waldshut-Tiengen befassten sich die deutschen und Schweizer Politikerinnen und Politiker der Grenzregion u.a. mit der grenzüberschreitenden Buslinie Stein-Bad Säckingen-Wehr, der Hochrheinelektrifizierung sowie den drohenden Verkehrsproblemen durch die Zollschließungen am Hochrhein. In einem Schwerpunktreferat wurde die aktuelle Verkehrsstrategie des Kantons Aargau präsentiert. 

Zu den dominierenden Faktoren der verkehrlichen Belastung am Hochrhein gehören die Pendlerströme. Dies wurde in der Präsentation von Carlo Degelo, Sektionsleiter Verkehrsplanung Kanton Aargau, deutlich. Im stark industrialisierten Kanton verteilen sich die Pendler auf verschiedene Cluster und Firmenniederlassungen in Außenbezirken. Um eine Entlastung des Verkehrs zu bewirken sei daher eine gute ÖPNV Anbindung der Unternehmensstandorte unabdingbar. „Dabei handelt es sich nicht nur um eine verkehrliche Frage“, so Carlo Degelo, „die gute Verkehrsanbindung ist auch immer eine wirtschaftliche Standortfrage für Unternehmen“.

Ein weiterer Einflussfaktor ist der LKW-Verkehr und damit verbunden die Belastung der Grenzübergänge der Region. Der Kanton stellte zwischen 2002–2015 eine Zunahme des durchschnittlichen täglichen Verkehrs an der Rheinbrücke Waldshut-Koblenz um 37% fest. Dies bewog die Kantonsregierung, die bereits im Richtplan eingetragene Rheinbrücke Koblenz-Waldshut in einem eigenen, separaten Verfahren weiterzuverfolgen. Regierungsrat Stephan Attiger und Landrat Martin Kistler betonten, dass das Projekt in enger grenzüberschreitender Abstimmung mit den regionalen Beteiligten bearbeitet werden soll. 

Auch die kommunalen Verkehrsplaner setzten sich mit Pendlerströmen auseinander. Das grenzüberschreitende Verkehrsplaner-Team mit Lothar Probst, Abteilungsleiter ÖPNV Kreis Waldshut und Peter Schoop, Verkehrsplaner Metron AG (CH), prüfte, wie möglichst viele deutsche Pendler ihre Arbeitsstelle im Chemie-Cluster Stein mit dem Bus erreichen können. Fazit: Die Buslinie ist nur attraktiv, wenn die Fahrt über die alte Holzbrücke geht, was jedoch in der Stadt Bad Säckingen u.a. wegen der hohen Nutzung der Brücke durch Radler und Fußgänger nicht auf Zustimmung stieß. Nutzt man die neue Brücke ergibt sich ein zeitlicher Nachteil für die Pendler. Erschwerend kommt hinzu, dass sich das Fahrgastpotential – davon ein Viertel Schichtarbeiter – weiträumig über die Region verstreut.

Deutlich wurde in der Analyse, dass eine Stärkung des grenzüberschreitenden Radverkehrs den Straßenverkehr entlasten könnte. Die Distanz zwischen dem Bahnhof Bad Säckingen und dem Bahnhof in Stein sowie dem Chemie-Cluster beträgt gerade einmal 1,3 bzw. 2,3 Kilometer. Es sei diskussionswürdig, so die Planer, dass die Städte in Kooperation mit den Unternehmen Leihfahrräder für die Pendler zur Verfügung stellen. Sie sehen bei den vorliegenden Rahmenbedingungen in einer Kombination von Radverkehr, Parkraumbewirtschaftung und Job-Ticket für Bus & Bahn eine geeignete Maßnahme den grenzüberschreitenden Verkehr zu verbessern. 

In Sachen Hochrheinelektrifizierung informierte der Präsident der HRK, Landrat Dr. Martin Kistler, den Vorstand über das kürzlich geschlossene „Memorandum of Understanding“. Die Landkreise Waldshut und Lörrach schlossen zusammen mit dem Land Baden-Württemberg, dem Regionalverband Hochrhein-Bodensee und den Kantonen Basel Stadt und Schaffhausen eine politische Willenserklärung, um das Projekt voranzubringen. Gestärkt wurden die regionalen Partner erstmals durch das Schweizer Bundesamt für Verkehr, welche sich dieser Erklärung ebenfalls anschloss.

Zurück